Ohne AntwortSeit Henrik H. Christiansen direkt gefragt wurde, ob er einen Doktorgrad besitzt.
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Depesche 007

Dr. No

Eine Depesche, in der sich die ersten Umrisse geliehener Glaubwürdigkeit abzeichnen

Stilisierte Schwarz-Weiß-Illustration einer gesichtslosen Figur im Anzug, umgeben von Berichtsseiten

Dellatte. Mike Dellatte.

Hallo, lieber Leser. Depesche 007 war unvermeidlich. Und nein, ich konnte nicht widerstehen. Warum auch? Das ist meine erste Recherche in Buchform. Zum Vergleich: Der erste Bond-Film kam 1962 heraus und hieß Dr. No. Entweder ein Zufall oder das Universum übernimmt still meine Redaktionsplanung. Bond hatte damals noch keines dieser herrlich absurden Spielzeuge, die später untrennbar zur Reihe gehörten: keine Laseruhr, keinen explodierenden Stift, keinen Raketenrucksack. Eine Walther und großes Vertrauen in die eigene Kinnpartie. Mein Arsenal ist noch bescheidener: eine Tastatur, eine Internetverbindung und ein bisschen Verstand.

Falls Q mir allerdings ein einziges Gerät anbieten würde, würde ich auf das Auto verzichten. Ich nähme das Wahrheitsserum, stellte meinem Protagonisten fünf Fragen und bekäme fünf eindeutige Antworten:

Dr. No.

Gut. Die Fantasien sind geparkt. Machen wir uns etwas näher mit dem Personal dieses Buches bekannt. Seht euch diese Folien an und lest selbst, wie Henrik Halager Christiansen Dr. Henrik H. Christiansen beschreibt. Ich habe die Aussagen nicht ausgeschmückt, die Zahlen nicht aufgebessert und keine dramatische Beleuchtung ergänzt.

Ich erkläre noch einmal, warum es dieses Projekt überhaupt gibt. Meine Liste der Beweggründe ist lang, und ihr werdet sie nach und nach alle hören. Einer davon ist allerdings peinlich einfach:

Ich hasse Lügen. Ich hasse es, belogen zu werden.

Unser wunderbares digitales Zeitalter hat wirklich jedem das Werkzeug gegeben, sich von Grund auf neu aufzubauen: Beulen ausklopfen, eine frische Schicht Biografie aufsprühen, auf Hochglanz polieren und statt des Menschen, der man ist, den präsentieren, der man gern wäre. Erinnert ihr euch an Inventing Anna, die Geschichte, aus der Netflix eine Serie gemacht hat? Wer weiß. Geben wir der Sache Zeit. Vielleicht kommt Netflix eines Tages auch auf meine zurück. Eines habe ich schon entschieden: Mein Darsteller soll größer sein als ich.

Zurück zu unserem Dr. Henrik Halager Christiansen. Wie ihr wisst, habe ich ihm vor ein paar Tagen eine Frage gestellt. Eine Frage. Keinen Fragebogen, kein Dossier, keine Vorladung. Eine Frage. Ich warte noch.

Deshalb gibt es jetzt einen Zähler auf der Seite. Mich interessiert inzwischen wirklich, wie lange eine Frage dauert.

Bevor nun du, mein lieber Leser, oder mein Protagonist mir vorwirft, haltlose Anschuldigungen in die Welt zu setzen, was ich auf dieser Website nie getan habe und nie tun werde, gehen wir diese fünf Aussagen einzeln durch und zeigen, worauf die Prüfung beruht. Ganz ohne Spezialausrüstung. Alles Folgende stammt aus offenen Quellen: von Estithmars Website und aus den veröffentlichten Berichten. Nur Fakten. Zugegeben, gewürzt mit meinem Autorenton und gelegentlichen Werturteilen. Aber ein investigatives Buch ohne das wäre eine Tabelle, und niemand macht es sich abends mit einer Tabelle gemütlich.

Dann mal los.

„Group Chief Executive Officer, Feb. 2021 - Nov. 2023“

Henriks offizieller letzter Tag als CEO der Estithmar Holding Q.P.S.C.: 31. August 2023. Zweifellos ein Rundungsfehler.

„51 Unternehmen“

Der erste nach seinem Ausscheiden veröffentlichte Abschluss zum 30. September 2023 führt 46 Tochtergesellschaften auf. Das sind sehr viele Unternehmen. Nur eben keine 51.

„Der Konzernumsatz stieg von 1,9 auf 4,5 Milliarden QAR“

Keine der beiden Zahlen steht im Abschluss.

Henrik kam im Februar 2021 zur Elegancia Group W.L.L. Elegancia selbst war am 3. November 2020 gegründet worden, um bereits bestehende operative Vermögenswerte zusammenzuführen. Die offiziellen Umsatzzahlen:

2020: 2,3 Milliarden QAR
2021: 3,205 Milliarden QAR
2022: 4,237 Milliarden QAR
2023: 2,919 Milliarden QAR

In seinem letzten Jahr an der Spitze sank der Umsatz gegenüber 2022 um 31,1 %. Gegenüber dem veröffentlichten Berichtszeitraum 2021 waren es 8,9 % weniger. Das ist keine Wachstumskurve. Eine Kurve ist es gewiss. Sie biegt nur in die falsche Richtung ab.

„Führte einen der am breitesten aufgestellten Konzerne Katars durch seinen Börsengang“

Bei einem Börsengang bietet ein Unternehmen seine Aktien erstmals der Öffentlichkeit an, und die Öffentlichkeit bezahlt dafür. Dieses Unternehmen tat das im Januar 2017, als es noch Investment Holding Group Q.P.S.C. hieß, kurz IHG. Nein, nicht die Hotels. Henrik kam im Februar 2021, fast vier Jahre nach dem Läuten der Börsenglocke.

Was unter seiner Führung stattfand, war ein Aktientausch. Im April 2022 gab die börsennotierte Gesellschaft neue Aktien aus, übertrug sie den Eigentümern von Elegancia, erhielt dafür Elegancia und änderte im Mai den Namen über der Tür in Estithmar Holding. Danach hielten Elegancias Eigentümer 75,6 % der börsennotierten Gesellschaft. Genau deshalb heißt es umgekehrter Unternehmenserwerb. Kein öffentliches Angebot. Niemand stieg mit frischem Geld ein. Nicht ein Riyal neues Kapital.

Und er weiß es. In seinem eigenen CEO-Bericht im Geschäftsbericht 2022 nennt er die Transaktion „unseren strategischen umgekehrten Erwerb von IHG“. Genau das war sie. Er hatte die bessere Geschichte bereits in der Tasche und tauschte sie trotzdem gegen eine falsche ein.

„Eine sagenhafte Bewertung von 4 Milliarden Dollar“

Zum Zeitpunkt des umgekehrten Unternehmenserwerbs im April 2022 wurde das zusammengeführte Unternehmen mit rund 969 Millionen Dollar bewertet. Nicht mit 4 Milliarden. Ende 2023 lag die Marktkapitalisierung bei etwa 1,95 Milliarden Dollar. Die Marke von 4 Milliarden überschritt das Unternehmen erst 2025. Da hatte unser Mann das Gebäude längst verlassen.

Und darum geht es: Die Zahlen selbst sind mir herzlich egal. Groß, klein, neu dargestellt, korrigiert, sie könnten ganz anders ausfallen.

Was mich wirklich stört, ist die Leichtigkeit, die schiere dreiste Beiläufigkeit, mit der mein Held offenbar damit jongliert und sich Leistungen, Größenordnungen und Status zuschreibt, die durch die zugrunde liegenden Unterlagen nicht gedeckt sind.

Damit lautet die Frage: Warum hat ein Mann überhaupt das Bedürfnis, so etwas zu tun? Ich habe meine eigene Theorie. Darauf komme ich selbstverständlich später zurück, denn das hier ist eine Fortsetzungsgeschichte, und irgendwie muss ich euch bei der Stange halten.